Über mich •

 

 

MüggelSolo

 

 

 

Aziz H. Weineck, geb. August ´61, München, M. A. Religionswiss. FU Berlin, Quereinsteiger als Dramatiker ab 2010/11, Dramen: Zulu in Köln – Premiere 2011, Laufende Projekte: Hölle im Herzen -  Absurdes Drama, Zwischendeck – Politdrama, Bunte Knete – Psychodrama einer Täter-Opfer-Beziehung. Laufende Buchprojekte: Felix und Locke Wolf – Abendteuergeschichten für Kinder ab 6 J., Die Erwin Krawinkel Anekdoten – Komische Geschichten eines braven Angestellten.

Nichts ist schlauer als der Zufall. Dies sei so gesagt, weil so schnell nicht absehbar war, dass ich zum Theater finden könnte. Es gab jedoch einige Faktoren, die sich im Nachhinein als richtungsweisend herausstellten und mich zu einem sogenannten Quereinsteiger werden ließen. Da nun meine Biografie eher einem langsam fließenden, in Serpentinen verlaufenden Strom gleicht, als dem eines schnell fließenden Gewässers in einem begradigten Kanal, möchte ich nur von einigen Stationen berichten, die mir hier von Bedeutung zu sein scheinen. Über Methoden und Vorbilder des alten oder zeitgenössischen Theaters werden Sie hier allerdings nichts finden, da ich mich keinem Mainstream anschließen möchte. Das entdecken und ziehen von Parallelen überlasse ich Ihnen. Deshalb bleibe ich hier persönlich, biographisch. – Nachdem ich nun 1986 das lebendige Köln verlassen hatte, um ins noch verheißungsvollere Berlin einzuwandern, jobbte ich mich durch die geteilte Stadt, bis ich das Abi auf dem zweiten Bildungsweg ein halbes Jahr nach dem Fall der Mauer ablegte. Danach verkaufte ich fünf Jahre lang schöne Klamotten, arbeitete sieben Jahre lang als Betreuer und Pfleger für Menschen mit Behinderung und weitere sieben Jahre beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Job-Hopper in vielen verschiedenen Abteilungen. Zwischendurch studierte ich (immer mal wieder) Religionswissenschaften und brachte es 2007 schließlich zu einem bitter-süßen Ende. Bitter, weil: was nun Herr Magister? – süß, weil: halt fertig und weil ich kurz vor Abschluss auf Studien des schottischen Ethnologen Victor Turner stieß. In seinem Werk „Vom Ritual zum Theater“ (1982) beschreibt Turner Parallelen im Ablauf zwischen kultisch-rituellen Inszenierungen indigener Ethnien und schauspielerischer Bühneninszenierungen und Rollenspiele. Seine Mutter war selbst Theaterschauspielerin. Sieh an, welch ein Zufall. Ich wurde hellhörig. Lässt sich da vielleicht etwas miteinander verbinden? Zunächst ging ich aber davon aus noch ein paar Tage im Rundfunkbetrieb zu verweilen, da mir an einer weiteren Vertiefung des Studiums nicht gelegen war. Ich wollte mehr Lebendigkeit in meinem Alltag. Auch wenn ich lange Zeit dachte; o k, die Geisteswissenschaft ist es und wird bei Zeiten alles andere ablösen. Schließlich hatte ich zu Beginn wirklich einen guten Grund an die Uni zu gehen. Es war die katholische Prägung meiner Kindheit in Bayern in einer seltsamen Kombination mit dem fundamentalistisch-protestantischen Erbe der sittlichen und moralischen Überlegenheit. Dieses Erbe lastete noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg wie ein bleierner Mantel auf den Schultern vieler geschorener Schäfchen und erdrückte sie mehr als er sie wärmte. Meine Mutter hätte diese Last ohne Wenn-und-Aber bis zur Selbstaufgabe tragen sollen. Hätte sie es getan, wäre ich heute nicht hier, genauso wenig wie all meine lieben Geschwister, ganz zu schweigen von unseren bestens geratenen und talentierten Kindern. Die gesellschaftliche und soziale Konsequenz aus der deutsch-afrikanischen Verbindung Anfang der 60′ er, war der Ausschluss von der Teilhabe am ‘Deutschen Wirtschaftswunder’. Pastoraler Trost blieb aus. Aber wer predigte damals schon vom Respekt vor interkultureller Liebe? Dennoch oder gerade deswegen, legte mir meine Mutter einen Hang zur Unbeugsamkeit und mein Geburtsmonat August mir Optimismus in die Wiege, in die ich wenige Tage nach dem Bau der Mauer gelegt wurde. In späteren Jahren dann, wollte ich einiges über den Sinn von Religion erfahren. Ich trat zwischendurch aus der Institution Kirche aus, klapperte das esoterische Spektrum ab, meditierte, wurde eine Zeit lang Vegetarier, traf Agnostiker, die mir oft aufrichtiger erscheinen als so manche Nihilisten oder streng Gläubige, und-und-und, bis ich dem Medium Theater unbedacht immer näher kam. Einer meiner Brüder, Sunga Weineck, ist ein renommierter Kölner Schauspieler. Ich lernte weitere Schauspieler und Regisseure in Berlin kennen. Schlussendlich wurde das Band zwischen mir und meiner bis dahin letzten beruflichen Orientierung durch einen Anruf meines Bruders während meiner “hektischen” Tätigkeit beim Sender durchtrennt. Ein Theaterautor wurde für ein Stück, dass in Köln spielen sollte, gesucht. Ich überlegte nicht und sagte gleich, dass ich es machen würde, da während unseres Gesprächs mehrere Bilder dazu vor meinem geistigen Auge erschienen. Ich erkundigte mich nach den Regeln der Kunst und schrieb. „Ein Zulu in Köln“ wurde gespielt und hatte gute Presse. Spätestens danach verspürte ich kein Verlangen mehr in anderen Bereichen meine Erfüllung zu suchen. Das Fazit meiner Gedanken über das Woher und das Wohin war ein Veto gegen einen weiteren Verbleib in den Lesestuben dieser Stadt. Ich fand, dass ich tief genug gegraben hatte und lehren wollte ich nie. Die Entscheidung und das was daraus folgte, schien aus meiner Seele zu sprudeln. Als hätte sich Stück für Stück ein Stein, der lange Zeit den Ursprung einer Quelle versperrte, nach und nach gelockert, bis er mit einem letzten, kleinen Kick die Quelle schließlich freigeben musste. Und es kam kein Mephistopheles um die Ecke, der mir einen Handel mit meiner Seele anbot. Ich hatte wohl zu wenig Selbstverzweiflung anzubieten. Mein Gott, ich kann ihn ja so gut verstehen, den Mephisto. Wäre ich an seiner Stelle, was hätte ich für einen Höllenspaß dabei, fremder Leiber und Seelen habhaft werden zu wollen. Vorausgesetzt, dass trotz besseren Wissens eine Seele weder gekauft noch verkauft, weder beschädigt noch vernichtet werden kann, hätte ich noch mehr Spaß daran selbst die Gelehrtesten davon zu überzeugen ihre Seele als verhandelbares Gut zur Disposition zu stellen. Aber das wäre weiß Gott längst noch nicht die Krönung meiner Freude. Viel aufregender wäre es doch zu sehen, was ein Mensch bereit wäre zu opfern. Ein Ideal für ein Objekt der Begierde, das zu psychischer Selbstverbrennung führt, geboren aus dramatisierter Unzufriedenheit und narzisstischer Kränkung. Wie weit sind Menschen bereit zu gehen in ihrer Unkenntnis darüber, dass ein Deal mit der Seele eigentlich gar nicht möglich ist? Doch auch wenn ein Deal unmöglich ist – über die Bühne geht er scheinbar doch. Weil ich das wortwörtlich nehme, liegt Theater doch recht nahe. Doch etwas muss ich noch klar stellen. Für meine Vorstellung von der Existenz der Seele berufe ich mich nicht auf Wissen. Ich kann es ja nicht beweisen und berufe mich daher auf bloße Empfindung. Es hat nichts mit religiösem Glauben zu tun. Denn Glaube muss nur all zu oft in Wort oder gar in Tat mit Unbarmherzigkeit verfochten werden. Selbst bei aller “Liebe” und politisch-korrekt errungener “Toleranz”, wird eigener Glaube doch insgeheim oder ganz offen für den besten gehalten. Deshalb ist mir das Wesen der Empfindung viel näher, weil es gegenüber dem des Glaubens sanfter ist. Das Wesen des religiösen Glaubens ist härter, vor allem dann, wenn dieser Glaube in seiner imperativen Programmatik und Auslegung menschliche Individualität zu wenig berücksichtigt und nicht dazu ermuntert eigener Empfindung zu folgen, um die Argumente, die für den Glauben sprechen sollen, zu prüfen. Das Ziel muss ja nicht die Vernichtung des Glaubens sein, dafür aber die Verhinderung seiner Erschöpfung im Fundamentalismus, dessen Sprossen früher austreiben als so manch einer vermuten mag. Ob man es nun glaubt oder nicht. Religiösem Eifer ist manchmal etwas Komisches abzugewinnen. Deshalb werde ich für das kommende Jahr eine Komödie daraus spinnen. Der Titel steht zwar schon fest, darf aber noch nicht verraten werden. Doch keine Angst; es wird politisch nicht korrekt. Nun gibt es neben fundamentalen Lebensfragen, wie die um Religionen und ihrer Kulte, die weitaus fundamentalere Frage nach dem Kult ums geliebte oder gehasste Geld. Denn da stößt die Religion an seine Grenzen. Lebst du ohne Religion, kannst du dir trotzdem ein Brot und vielleicht sogar ein Auto kaufen. Lebst du ohne einen Cent, musst du zu Fuß betteln gehen. Und hast du weder Glauben noch Geld, bleibt dir mit viel Glück im Unglück vielleicht noch die zwischenmenschliche, freundschaftliche Begegnung oder gar die Liebe, die du mit anderen Menschen teilen kannst. Auf die Verquickung von Religion und Reichtum möchte ich nicht eingehen. Es würde in diesem Moment nur zur freudlosen Niederschrift reichen. Doch zurück zum Mammon. Individuelle Lebensumstände die Menschen zu Bettlern machen, gibt es in unserem privilegierten Deutschland zwar auch und jeden den ist trifft ist einer zu viel. Doch es ist wenig im Vergleich zur Verelendung ganzer Völker, die Hunger leiden und deren Kulturen geschrottet werden, weil es Organisationen gibt, die gewaltige Geldmassen bewegen und dazu in der Lage sind natürliche Güter, wie Weizen und Wasser künstlich zu verknappen und dadurch zu verteuern. Dieses Thema greift das Politdrama „Zwischendeck“ auf. Anfang der 90´er Jahre schaute ich mir zufällig die Kopfseite einer englischen Zwei-Pence-Münze an. Darauf stand: „ICH DIEN“. Auf Deutsch? Ich war verwundert aber interpretierte, dass es mit Beziehungen zwischen dem deutschen und dem englischen Königshaus zu tun haben müsse und unterstellte die Absicht des Ideals, dass das Geld dem Menschen dienen solle und nicht umgekehrt. Darüber hinaus zog ich eine Parallele zum kontrovers diskutierten Bekenntnis „IN GOD WE TRUST“ auf amerikanischen Dollarnoten oder den Losungsworten der Französischen Revolution „LIBERTÉ ÉGALITÉ FRATERNITÉ“ auf dem Rand der damaligen Zehn-Franc-Stücke. Mit all diesen Worten werden Bekenntnisse zu einem Ideal abgelegt und dokumentiert. Doch ich schoss mit meiner Interpretation etwas am Ziel vorbei. Ich erfuhr, dass das abgebildete Wappen mit den Worten „ICH DIEN“ historisch auf den hundertjährigen Krieg zurück geht. Das Wappen war Teil des Helmschmucks von Johann, dem blinden König von Böhmen und Grafen von Luxemburg. Einer Legende nach ließ sich Johann 1346 vor der Schlacht von Crécy, die sich zwischen England und Frankreich ereignete, mit Rittern seiner Leibwache verketten. Der König und seine Soldaten wurden getötet. Der englische Kronprinz und zweite Prince of Wales, Edward of Woodstock, war von der starken Verbindung zwischen dem König und seinen Soldaten so sehr bewegt und beeindruckt, dass er den Helmschmuck König Johanns zu einem Bestandteil seines Wappens machte. Im Jahr 1971 wurde dieser Teil des Wappens als Bronzemünze eingeführt und 1992 auf Kupfer plattierten Stahl geprägt. Nichts eignete sich seiner Zeit besser als Medium für die Verbreitung des Ideals der entschlossenen und tief empfundenen Gefolgschaft als die Münze. Die Münze als Werbeträger von Werten, wo doch genau dieses Medium, das für Werte wirbt genau dieselben zerstört. Erinnern wir uns an Jesus und Judas. Für eine Hand voll Münzen war es um die Loyalität zu seinem Messias bzw. Propheten (je nach Betrachtungsweise) geschehen. Doch zurück zu unserem Pence-Stück. Mann muss schon genau hinsehen, wenn man die Worte „ICH DIEN“ auf der geschwungenen Schleife des Wappens erkennen möchte. Trotz meiner Fehlinterpretation dachte ich an die Richtigkeit des Ideals, dass das Geld ausschließlich im Dienste der Menschen stehen müsse, ganz gleich ob man davon sehr viel oder sehr wenig hat. Es mag oft gelingen. Aber oft genug? Wie man nun sieht, geht es mir in meinen Dramen oft um zwischenmenschliche Beziehungen im Lichte wirtschaftlicher Verhältnisse in Schräglage, um die Einstellung zu existentiellen Dingen und Zuständen, wie z. B. um Wasser und Brot, um Verbrechen ohne Reue, um Wiederherstellung von Gerechtigkeit, um Scheinheiligkeit von Heiligkeit, um Unterdrückung und Befreiung, um körperliche und strukturelle Gewalt aber gerne auch um Komik in der Tragik und um Liebe. In diesen Momenten menschlicher Bemühungen wird mit- und gegeneinander gerungen. Ein ständiges Ringen, wie in dem Kammerstück „Bunte Knete“, bringt zwei Menschen einander näher, weil sie einen fundamentalen Konflikt in einer multikulturellen Gesellschaft ausfechten, die sie sowohl geprägt als auch traumatisiert hat. Schwierige zwischenmenschliche Konstellationen betrachten und verstehen zu wollen gehört zu den Triebfedern meines Erzählens. Man mag es nun nennen wie man will. Ob Zufall oder Vorsehung, Kismet oder Karma, unvorhergesehenes Ereignis oder einfach nur späte Einsicht. Allen Abgründen zum Trotz, ist es am Ende doch auch der Spaß am Spielerischen, durch den wir unsere Geschichten erzählen sollen und wollen. Zu guter Letzt nur noch ein paar Worte. Danke für Ihre Aufmerksamkeit dieses kurze Essay über mich zu lesen. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich eines meiner Dramen anschauen würden und wir vielleicht sogar persönlich ins Gespräch kommen könnten. Spieltermine und Orte werden rechtzeitig durch die üblichen Kanäle bekannt gegeben.